Kreuzbund: Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige
Der Kreuzbund (Bild: Hände)

Der Kreuzbund in Grevenbroich

Als sich 1987 die ersten Frauen und Männer aus Grevenbroich und Umgebung trafen um gegen ihre Suchtkrankheit etwas zu unternehmen, gab es noch vielfältige Schwierigkeiten. Zunächst traf man sich in den Räumen der Pfarre St. Josef in der Grevenbroicher Südstadt. Doch schon bald erwiesen sich die Räumlichkeiten als ungeeignet. Vor allen Dingen auch wegen der Lage.
  
Günter Schmitz So bemühten sich Günter Schmitz und andere Gruppenmitglieder um einen Gruppenraum in der Stadtmitte. Schließlich kam man im Bernadusheim am Ostwall in den Räumen der Caritas unter.
 
 
G. Schmitz
Mitgründer der Kreuzbund-Gruppen in Grevenbroich
 
Die Nähe zum Arbeitsplatz des Dipl.-Sozialarbeiters H.-G. Faßbender, von der Fachambulanz für Suchtkranke und Gefährdete der Caritas, sollte sich späterhin als nützlich und fruchtbar erweisen.
 
Aus der anfänglichen Gruppe sind heute vier Gruppen geworden. Das zeigt, wie sehr die Hilfe zur Selbsthilfe benötigt wird. Gerade der Umstand, daß die Menschen heute mehr Freizeit haben - sei es durch Arbeitszeitverkürzung oder durch Arbeitslosigkeit - und die Macht der Medien, läßt viele Mitmenschen in die Abhängigkeit von Suchtmitteln geraten. Leider herrscht aber, trotz aller Aufgeklärtheit, bei vielen Menschen noch die Meinung vor: "Ein gestandenes Mannsbild muß (viel) Alkohol vertragen ..." oder "Die Frau von Welt trinkt Cognac ..." Nein! Heute wissen wir, daß die Sucht eine Krankheit ist, die zum Kontrollverlust führt. Diese Krankheit ist nicht heilbar! Sie kann lediglich zum Stillstand gebracht werden.
 
Hier nun setzt die Arbeit des Kreuzbundes ein. Es ist für den Einzelnen oft sehr schwierig, sich vor den Versuchungen des Alltages zu schützen. Der Besuch der Kreuzbund-Gruppe aber gibt nicht nur das Gefühl der Zusammengehörigkeit - nein, hier wird man auch verstanden mit seinen Problemen, weil jeder gleiche oder ähnliche Probleme hat - oder hatte. Hier kann man offen Reden - und das sollte man auch tun! - denn nur wer etwas sagt, dem kann auch geholfen werden. Und schämen muß sich bei uns niemand!
  
Wir sind also eine Selbsthilfegruppe für Suchtkranke und -gefährdete und deren Angehörige, und verstehen uns als Weggefährte für die Betroffenen und Angehörigen. Da wir selbst Betroffene sind, und durch eine ambulante oder stationäre Behandlung, von Suchtmitteln gelöst in zufriedener abstinenter Weise leben, können wir aus eigener Erfahrung Wege aufzeigen, die die Suchtkrankheit zum Stillstand bringen.
 
Es gibt sehr unterschiedliche Wege aus der Abhängigkeit. Einigen Abhängigen gelingt es nur durch den Besuch unserer Gruppen, sich langfristig von Alkohol, Medikamenten und Drogen zu lösen. Andere absolvieren zusätzlich eine ambulante Behandlung innerhalb der oben erwähnten Fachambulanz. Sinnvoll ist jedoch häufig eine mehrwöchige/-monatige stationäre Behandlung in einer speziellen Fachklinik für Suchtkranke. Egal, ob ambulante oder stationäre Behandlung, der Besuch der Gruppe sollte weiterhin erfolgen, denn ohne Nachsorge werden ca. 70% aller Betroffenen rückfällig.
 
Neben der Gruppenarbeit helfen wir den Betroffenen durch Besuche in der Klinik, Hausbesuche, Einzelgespräche und Begleitung (zum schwersten Gang) zur Entgiftung in das Krankenhaus. Doch auch durch Geselligkeit und gemeinsame Freizeitaktionen erfährt der Betroffene menschliche Nähe und Unterstützung, um aus seiner Isolation herauszufinden.
 
Die vier Gruppen in Grevenbroich werden wöchentlich jeweils von etwa 10 bis 20 Betroffenen und deren Angehörigen besucht. Da auch der Partner und die ganze Familie von den Problemen betroffen sind, kommen häufig die Abhängigen mit ihren Angehörigen in die Gruppe, denn auch der Angehörige braucht Rat, Information und Beistand. Im gegenseitigen Erfahrungsaustausch werden nicht nur die Probleme besprochen, die durch den Suchtmittelmißbrauch entstanden sind, auch die Hintergründe der Sucht, wie Ängste, Partnerschaftsprobleme, Depressionen, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, oder andere Problemstellungen werden besprochen.
 
Zielsetzung unserer gegenseitigen Hilfe ist nicht nur die abstinente Lebensweise, sondern zudem die Stärkung der Persönlichkeit, um mit Konflikten umgehen zu können. Nur hierdurch kann ein Rückfall vorgebeugt und eine zufriedene Abstinenz erreicht werden.